Kapitel 6: Gütekriterien empirischer Forschungsmethoden

Veröffentlicht am 27.02.2018

Was ist ein Gütekriterium?

Empirische Forschungsmethoden können nur dann sinnvoll in einem wissenschaftlichen Forschungsprozess eingesetzt werden, wenn sie bestimmte Kriterien berücksichtigen. Diese Kriterien heißen „Gütekriterien“ und sind je nach Forschungsart (qualitative oder quantitative Forschung) unterschiedlich zu betrachten.

Die Gütekriterien - so ja auch der Name - geben somit die Güte bzw. die Qualität der Datenerhebung an. Werden die Gütekriterien in deiner Erhebung berücksichtigt, hast du verwertbare Ergebnisse, die du für deine Forschung nutzen kannst.

Gütekriterien quantitativer Forschungsmethoden:
Objektivität, Reliabilität und Validität

Quantitative Forschungen müssen die Kriterien Objektivität, Reliabilität und Validität berücksichtigen. Dabei bedeutet ...

... Objektivität, dass die erhobenen Daten komplett unabhängig von dem Forschenden sind. So sollten Fragestellungen keinen Spielraum der Interpretation bieten und somit immer gleich verstanden werden.

... Reliabilität (Zuverlässigkeit), dass die Datenerhebung so stattfindet, dass man bei einer erneuten Durchführung dieselbe Ausprägungen erhält. Beispiel: „Wie geht es dir heute?“ (nicht reliabel) vs. „Wie groß bist du?“ (sehr reliabel)

... Validität (Gültigkeit), dass die Erhebung tatsächlich das misst, was es messen soll. Als Beispiel: Intelligenz beim Intelligenztest. Nicht valide wäre es, wenn man herausfinden möchte, ob jemand keinen Alkohol trinkt und du fragst, ob dieser Bier trinkt. Eine Antwort auf diese Frage wäre kein Beweis dafür, dass der Befragte kein Alkohol trinken würde.

Gütekriterien qualitativer Forschungsmethoden

Die klassischen Gütekriterien der quantitativen Forschung (Objektivität, Reliabilität und Validität) lassen sich nicht direkt auf die qualitativen Forschungsmethoden übertragen. Und das ist ja auch verständlich. Denn Kriterien, die die Güte von standardisierten Erhebungsverfahren beurteilen können nicht 1 zu 1 die Güte von individuellen qualitativen Forschungsmethoden sein.

Wenn man nun auch für die qualitativen Forschungsmethoden Gütekriterien sucht, erhält man durchaus unterschiedliche Antworten. Eingehen möchten wir in unsere Zusammenfassung auf eine Quelle von Mairing (2002). Hier wurden sechs Gütekriterien bestimmt. Demnach zählen dabei folgende Aspekte zur Beurteilung einer qualitativen Forschung:

Verfahrensdokumentation
Die angewandte Methodik muss detailliert dokumentiert werden, da bei qualitativen Methoden häufig speziell entwickelte Verfahren genutzt werden, damit Außenstehende zu 100% nachvollziehen können, wie der Forschende vorgegangen ist. Inhalt sollte Vorwissen, Umsetzung der Datenerhebung und -auswertung sein.

Argumentative Interpretationsabsicherung
Da die Interpretationen der erhobenen Daten nicht überprüft werden können, muss der Forschende diese argumentativ begründen.

Regelgeleitetheit
Die Forschung muss sich an Regeln halten und ein systematisches Vorgehen haben. Man kann davon abweichen, wenn dieses dokumentiert wird.

Nähe zum Gegenstand
Die Nähe zwischen Forschendem und untersuchter Person muss gegeben sein. Anders als in Experimenten muss dies auf vertrauenswürdiger Basis geschehen.

Kommunikative Validierung
Um die Gültigkeit der Ergebnisse zu überprüfen, sollte der Forschende die Ergebnisse und Antworten der Untersuchung gemeinsam mit dem Befragten erneut durchgehen. Auch Ergänzungen vom Befragten sind möglich.

Triangulation
Es empfiehlt sich den Forschungsgegenstand aus zwei verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Darunter können zählen: zwei Forschende, zwei Theorien, zwei Datengrundlagen, zwei Methoden.

Was passiert nach der Datenerhebung?

Wir haben uns bereits im Forschungsprozess die Vorbereitungsphase angeschaut, wie man Schritt für Schritt zur richtigen Art der Datenerhebung gelangt und was man beachten sollte. Im nachfolgenden Kapitel geht es weiter mit der Analyse und Auswertung der erhobenen Daten.